Zeitzeugenbericht in Dörpen: So hat Gottfried Franz aus Werlte die Bombardierung Dresdens erlebt.

Im Februar 1945 – wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs – ist die Stadt Dresden durch einen Luftangriff der Alliierten zerstört worden. Das Bombardement hat Gottfried Franz aus Werlte als Jugendlicher hautnah miterlebt – und davon jetzt an der Oberschule in Dörpen berichtet.

„Wir konnten die Zeitungen, die auf dem Boden lagen, lesen. So hell war Dresden“, berichtete Franz. „Feuer-, Spreng- und Phosphorbomben in unglaublichen Mengen“ seien von Flugzeugen der Amerikaner und Briten auf die Stadt geworfen worden – auf eine Stadt, in der sich zu diesem Zeitpunkt laut Franz „fast nur Frauen und Kinder“ befunden hätten. „Dresden war eine Kulturstadt, sie hatte nichts mit dem Krieg zu tun“, erklärte der Zeitzeuge.

Franz lebte damals zwölf Kilometer außerhalb von Dresden. Am Tag der Bombardierung fuhr er mit dem Bus in die Stadt, um einen Eignungstest der Industrie- und Handelskammer zu absolvieren. Er bestand. Doch die Freude währte nicht lange, denn um 19 Uhr ertönten die Sirenen, die einen Angriff ankündigten. Wenig später flogen die Maschinen über Dresden und ließen ihre tödliche Fracht fallen. Doch endete die Attacke nicht mit dem Bombardement. Franz musste nach eigenem Bekunden mit ansehen, wie Tiefflieger mit Maschinengewehren auf wehrlose Passanten schossen. „Das war für mich das Schlimmste, was ich erleben konnte“, sagte er.

Anstatt wie geplant am 1. März seine Ausbildung zu beginnen, half der Jugendliche beim Aufsammeln der Trümmerteile. „Wir machten das alles mit unseren Händen“, erinnerte sich Franz. Hilfsmittel standen den Menschen nicht zur Verfügung.

Die Kapitulation Deutschlands, die am 7. Mai 1945 unterzeichnet und am darauffolgenden Tag in Kraft trat, sah Franz keineswegs als Niederlage. „Es war für uns die Befreiung Deutschlands.“ Er sei nie ein Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie gewesen. „Ich bin auf zwei Gleisen groß geworden.“ Zum einen sei es der Nationalsozialismus gewesen, dem er durch die Schule und die Hitlerjugend ausgesetzt gewesen sei. Andererseits habe er durch seinen Klassenlehrer eine Verbindung zur Kirche knüpfen können. Der Lehrer sei zwar Mitglied der Regierungspartei gewesen, habe aber nicht die Denkweise der Nationalsozialisten vertreten, erklärte Franz.

Besonders hart hätten ihn die sogenannten „Todesmärsche“ der Inhaftierten in den NS-Konzentrationslagern getroffen. „Die Juden wurden wie eine Horde Vieh durch die Straßen getrieben“, erklärte Franz den Schülern. Dazu hätten auch einige seiner Freunde gehört, ergänzte er. Wie der Werlter weiter ausführte, habe es damals lediglich Gerüchte über die Grausamkeiten gegeben, die den Inhaftierten in den Konzentrationslagern angetan wurden. Genaues habe allerdings niemand gewusst, so Franz. Jedoch habe ihm die Behandlung der jüdischen Bevölkerung klargemacht, „dass es das Schlimmste ist, was Deutschland passieren konnte“.

Auch das Leben in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), das sich für Gottfried Franz nach der Nazi-Herrschaft anschloss, sei ein schweres Kapitel in seinem Leben gewesen. Zu dieser Zeit war er im Waagenbau tätig. Da er aber kein Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) war, sei sein Leben und das seiner Frau von Repressionen gezeichnet gewesen. Deshalb hätten sie sich dazu entschlossen, nach Werlte zu fliehen, wo sein Schwager lebte. „Das Emsland war damals noch unentwickelt“, berichtete er.

Dies sei für ihn ein großer Schock gewesen. Jedoch fand Franz direkt Arbeit und half bei der Kultivierung des Emslandes. Im Jahre 1971 gründete er die Firma „Werlter Präzisions-Mechanik“, die er bis 2016 leitete.

„Krieg ist das Grausamste, was es gibt“, fasste Franz am Ende seines Vortrags zusammen. Auf der anderen Seite sehe er die Demokratie als „das Beste, was wir überhaupt haben“. Er appellierte an die Schüler, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die Demokratie wertzuschätzen.

(Aus der Ems-Zeitung vom 18.02.2019)